Modernisierung: Die 6 größten Mythen im Faktencheck

Über den ökologischen und ökonomischen Nutzen von Sanierungsmaßnahmen existieren viele Gerüchte und Irrtümer. Hier finden Sie die sechs häufigsten Modernisierungsmythen – auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft.

Sanierungskosten einschätzen mit dem ModernisierungsCheck

Für eilige Leser*innen: Mit dem Modernisierungskosten-Rechner können Sie prüfen, welche Sanierungsmaßnahmen sich für Ihr Gebäude lohnen und wie viel Energie Sie sparen.

Modernisierungsmythos 1: Zu viel Dämmung ist nicht gut fürs Raumklima

„Wände müssen atmen können, damit kein Schimmel entsteht. Eine Dämmung verhindert das.“

Falsch! Schimmel entsteht durch Baumängel und falsches oder unzureichendes Lüftungsverhalten, nicht durch eine gute Dämmung. Im Gegenteil: Wer richtig dämmt, verhindert Schimmel. Das beweisen mehr als 4.000 Passivhäuser in Deutschland. Sie sind herausragend gut gedämmt und luftdicht – und dabei völlig schimmelfrei.

(c) iStock/elgol

Sind die Außenwände nicht oder nur unzureichend gedämmt, setzt sich die Feuchtigkeit der Luft verstärkt an den kalten Stellen in den Räumen ab. So wird dort die Schimmelbildung begünstigt. Außenwände sollten auch nicht durch Mobiliar verstellt werden, damit die Raumluft zirkulieren kann und dahinter­liegende Flächen nicht auskühlen.

Eine Wärmedämmung der Fassade sorgt für warme Wandflächen und verhindert, dass sich Feuchtigkeit absetzt. Wichtig ist, dass alle Wärmebrücken am Gebäude aufgespürt und bei der Dämmung beseitigt werden. Dazu gehören zum Beispiel Laibungen, also die der Fenster- oder Türöffnung zugekehrte Mauerfläche, an der der jeweilige Rahmen anliegt. Eine fachgerechte Dämmung der Fassade und richtiges Lüftungsverhalten sind daher das A und O gegen Schimmel.

Tipps zum richtigen Lüften finden Sie im Dossier Lüftung und Lüftungsanlagen. Unsere Übersicht mit aktuellen Fördermitteln und Zuschüssen für Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung und Lüftungsanlagen im Neubau erleichtert die Finanzierung einer solchen Anlage. Im Artikel Schimmel: entfernen & vorbeugen erfahren Sie außerdem, wie der Pilz entsteht und was Sie tun müssen, wenn Sie bereits Schimmel in Ihrer Wohnung festgestellt haben.

Modernisierungsmythos 2: Fenster dürfen nicht zu gut isolieren

„Die Raumluft muss ausreichend zirkulieren, damit es nicht zur Schimmelbildung kommt.“

Falsch! Wer sich beim Lüften auf undichte Fenster verlässt, liegt eindeutig falsch und zahlt dafür kräftig drauf: Ein Luftaustausch findet dann nämlich nur rein zufällig statt – abhängig von den jeweiligen Wetter- und Druckverhältnissen. Das Entweichen der Wärme an kühlen Tagen ist hingegen sicher, sodass im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Fenster geheizt wird. Außerdem besteht bei Fenstern ohne Isolierverglasung die Gefahr, dass sich Luftfeuchtigkeit niederschlägt und diese Schimmel verursacht.

(c) smalloy - flickr.com

Undichte Fenster sorgen für ein unangenehmes Raumklima und unnötig hohen Heizenergieverbrauch. Einer der fatalsten Modernisierungsirrtümer! Wichtig ist, dass neue Fenster von einer Fachkraft eingebaut werden. Diese kennt sich nicht nur mit dem neuen Material aus, sondern sorgt auch dafür, dass bestehende Wärmebrücken beseitigt werden. Außerdem gibt es zahlreiche Förderprogramme speziell für den Austausch der Fenster. Das Online-Branchenbuch Rat und Tat hilft bei der Suche nach geeigneten Expert*innen in Ihrer Umgebung.

Modernisierungsmythos 3: Energetische Sanierungen lohnen sich nicht

Häuser werden über viele Jahrzehnte genutzt – daher muss man bei der Instandhaltung und Modernisierung langfristig denken. Eigentümer*innen, die nachhaltig planen, investieren in ihr Gebäude, um dessen Wert zu erhalten bzw. zu steigern. Einige Maßnahmen amortisieren sich schneller, andere erst nach zehn oder zwanzig Jahren. Eine fachgerecht durchgeführte energetische Sanierung sorgt auf jeden Fall dafür, dass die Bewohner*innen unabhängiger von Energiepreissteigerungen sind.

Und selbst wenn in vermieteten Gebäuden die Heizenergieeinsparungen eine Mieterhöhung nicht sofort aufwiegen: Man muss immer bedenken, dass die Preise für Heizenergie stetig steigen. Auf lange Sicht rentieren sich die Maßnahmen deshalb in den meisten Fällen.

Bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung von energetischen Modernisierungen sollte auch berücksichtigt werden, dass viele Maßnahmen über kurz oder lang ohnehin anstehen und häufig sogar Fördermittel erhältlich sind.

Modernisierungsmythos 4: Die Dämmstoffe-Produktion benötigt sehr viel Energie

„Das Herstellen der Dämmstoffe benötigt viel mehr Energie, als später eingespart werden kann."

Falsch! Ein klarer Modernisierungs­irrtum! Fakt ist, bei Modernisierungen von Gebäuden haben Dämm­maßnahmen den höchsten Stellenwert. Mit keiner anderen Maßnahme lässt sich so viel Heizenergie einsparen. Eine Vielzahl von Untersuchungen zeigt: Das Herstellen der Dämmstoffe verbraucht nicht mehr Energie, als später eingespart wird. Selbst bei Dämmstoffen wie Polystyrol, mit hohen Dämmstoffstärken von beispielsweise 30 Zentimetern, amortisiert sich die benötigte Herstellungsenergie bereits nach etwa drei Heizperioden.

Modernisierungsmythos 5: Dickes Mauerwerk braucht keine Dämmung

„Das Mauerwerk des Hauses ist fast 40 Zentimeter stark, dafür ist keine Dämmung notwendig.“

Falsch! Der Wärmedurchgangskoeffizient, der sogenannte U-Wert, bestimmt die Wärmemenge, die durch ein Bauteil hindurchgeht – je niedriger dieser Wert ist, desto besser. So hat zum Beispiel ein 36 Zentimeter starkes Mauerwerk einen U-Wert von ca. 1,60 W/m² K. Der heute geforderte Wert für Außenwände liegt jedoch bei 0,24 W/m² K. Um diesen zu erreichen, ist daher eine zusätzliche Dämmung von zwölf Zentimetern Stärke erforderlich. Hier finden Sie Fördermöglichkeiten für eine Fassadendämmung.

Modernisierungsmythos 6: Der Effekt von Sanierungen ist gleich null

„Sanierungsmaßnahmen machen das Gebäude nur hübscher. Für den Klimaschutz hat dies keine Auswirkung.“

Falsch! Dazu einige Fakten zur Modernisierung: Im gesamten Bundesgebiet gibt es etwa 20 Millionen Wohngebäude. Sie machen mehr als 25 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs in Deutschland aus – und sorgen damit entsprechend für hohe CO2-Werte.

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Hier schlummert ein enormes Sparpotenzial. Schon mit kostengünstigen Maßnahmen wie dem Einbau einer effizienten Heizungspumpe, einem hydraulischen Abgleich und der Nutzung programmierbarer Thermostate kann viel Energie gespart werden. Mieter*innen und Eigentümer*innen profitieren dadurch von sinkenden Heizkosten. Und das Klima wird durch den verminderten Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase entlastet.

 

Modernisierungsmythen prüfen – mit den EnergiesparChecks

Über aktuelle Förderprogramme informiert Sie das Dossier Fördermittel und der FördermittelCheck.

Der ModernisierungsCheck prüft die Wirtschaftlichkeit von Sanierungsmaßnahmen. Dabei berechnet er die finanzielle Belastung, die durch die Investition entsteht, und vergleicht diese mit der jährlichen Energiekostenersparnis. Ab sofort bietet der ModernisierungsCheck auch Mieter*innen umfassende Informationen und Rechenmöglichkeiten zum Thema energetische Sanierung.

Lassen Sie sich von unabhängigen Stellen beraten, um herauszufinden, welche Maßnahme zu Ihrem Gebäude passt und die größte Wirkung entfalten kann.

Autorin: Karin Adolph

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